News

Vorstellung: Die Mauler

Im bevorstehenden Panzer Showdown werden drei Fraktionen aufeinander treffen - jede mit einer eigenen Intention. Heute stellen wir die erste Fraktion vor - die Maulers.

scr1

Die Marmorwände des Bürohochhauses im Zentrum von Köln verströmten Macht und Wohlstand. Die Stadt versank in der Hitze eines heißen Julitages, doch die Frauen und Männer hinter den Wänden aus Stahlbeton und Glas merkten nichts von dem, was in der Welt um sie herum geschah. Ihre Welt bestand aus Designeranzügen, teuren Uhren und modernster Elektronik. Sie führten einen Krieg der etwas anderen Art, ohne Explosionen und Kanonendonner, dafür aber nicht minder tödlich.

Die Frau am Ende des Tisches sah bemerkenswert aus. Für den Preis, den ihre Garderobe kostete, wären viele im Land bereit, zu töten - die Frau war es gewohnt, dass sich alle Blicke auf sie richteten, sobald sie den Sitzungsraum des Aufsichtsrats betrat.

Allerdings nicht an diesem Tag.

Denn an diesem Tag richteten sich die Blicke des Gremiums auf den großen, neben ihr an der Wand angebrachten Bildschirm. Darauf war ein Mann in Militäruniform mit einem Eisbären-Emblem zu sehen. Auch ohne die Schlachtfeldgeräusche im Hintergrund (man hörte ferne Explosionen und der Mann zuckte zusammen, als es einmal besonders laut knallte), konnte man sofort erkennen, dass der Mann kurz vor einer Panikattacke stand.

„Frau Direktorin, wir können die Stellung nicht länger halten!“ schrie er in die Kamera, um eine weitere Explosion zu übertönen. "

Die Frau blieb unbewegt.

“Sie kennen die Bedingungen, Hauptmann. Wenn sie sich zurückziehen, wird der Auftraggeber den Vertrag annullieren. So aber wird der Vertrag erfüllt, selbst wenn ihre Truppen besiegt werden sollten.“

Der Mann schaute kurz weg und machte eine verneinende Geste, die jemandem hinter der Kamera galt. Er schien nach Worten zu suchen und brachte endlich den Mut auf, sie auszusprechen.

„Frau Direktorin, dafür werden wir zu wenig bezahlt.“

Die Frau blickte finster drein.

„Hören sie zu, Hauptmann. Sie werden den Anweisungen folgen und die Stellung halten. Alles andere würde...“ sie machte eine Pause „...Konsequenzen haben.“

Auf dem Bildschirm erschien das Foto einer Frau mit einem Kind. Ungeachtet der schlechten Übertragungsqualität des Schlachtgeschehens konnten die am Tisch versammelten Frauen und Männer das geschockte und fassungslose Gesicht des Soldaten erkennen. Die Direktorin nutzte den Moment und fügte hinzu:

„Sollte ein Unglück geschehen, wird für ihre Familie natürlich ausreichend gesorgt.“

Der Mann sagte nichts und schaute mit leerem Blick in die Kamera. Die Frau salutierte und beendete die Übertragung. Sie wandte sich an die versammelten Vorstandsmitglieder.

„Meine Damen und Herren, unser Vertrag wird erfüllt und die Versicherung übernimmt die Fahrzeugverluste. Was die Männer anbelangt - es werden sich immer neue finden.“

Sie machte wieder eine Pause, verzog den Mund zu einem kaltherzigen Lächeln und fuhrt fort, gleichsam, als würde sie zu sich selbst sprechen:

„Der Krieg ist ein Geschäft. Der Trick dabei ist, jemand anderen die Rechnung bezahlen zu lassen.“

Die Anfänge

LDie Lodestar GmbH wurde in den krisengeschüttelten späten 2010er-Jahren als Logistikunternehmen von Reiner Schepke gegründet, einem der gewieftesten und erfolgreichsten Unternehmer der Welt. Die Ressourcen, die ihm dabei zur Verfügung standen, erinnerten an die unbegrenzten Möglichkeiten der industriellen Revolution und ermöglichten es Schepke, seine relativ kleine Logistikfirma innerhalb von 15 Jahren zu einem Handelsimperium mit Vertretungen in der ganzen Welt auszubauen. Bis 2025 wurden mit den Schiffen und Flugzeugen des Unternehmens abertausende Tonnen von Gütern um den ganzen Globus bewegt und Schepke wurde zu einem der mächtigsten Geschäftsleute der Welt.

scr2

In immer unruhiger werdenden Zeiten bot Lodestar unter Schepkes Führung der Welt etwas, wonach sie sich am meisten sehnte: Stabilität. Schepke erkannte schon früh, dass er nicht nur Logistik anbieten musste, sondern auch Sicherheit. Der Gütertransport an sich war ein riskantes Unterfangen und angesichts der immer größer werdenden Anzahl von Ländern der dritten Welt, die in Anarchie versanken, wurde die Sicherheit der Transporte mindestens so bedeutend, wie die Güter selbst.

Zur Sicherung der Logistik heuerte Lodestar zu Beginn noch private Militärdienste an, doch angesichts der weltweiten Geschäfte und steigenden Kapazitäten gründete die Firma einen eigenen Sicherheitsdienst, der mit der Zeit zu einer ansehnlichen Privatarmee heranwuchs. Die wahre Expansion begann allerdings mit Schepkes Entscheidung, seine älteste Tochter Erika Schepke zur Chefin der Sicherheitsabteilung seines Konzerns zu machen.

Die Mauler

Erika Schepke wurde in eine Welt des Überflusses hinein geboren und ihr Vater arbeitete sehr hart dafür, um ihr eine glänzende Zukunft zu ermöglichen. Unter seiner schützenden Hand erfuhr sie nichts von den Unruhen und existenziellen Sorgen der zerbrechenden Gesellschaften. Sie weilte in ihrem Elfenbeinturm aus Luxus und privatem Unterricht und begann mit der Zeit, nichts als Verachtung für die Massen zu empfinden, die sie für ihr Schicksal und ihre Leiden selbst verantwortlich machte.

scr3

Auch dank dieser Einstellung wurde sie von ihrem Vater in einer leitenden Position eingesetzt. Ungeachtet ihrer gestrengen Weltsicht bewies sich Erika Schepke als extrem kompetente Geschäftsfrau, was neben ihrer Hingabe an die Arbeit auch an ihrer Skrupellosigkeit lag - innerhalb von zwei Jahren verdreifachte sie jedenfalls die Gewinne der Sicherheitsabteilung. Unter ihrer Führung wandelte sich der operative Modus des Unternehmens von passivem Transportschutz hin zu Präventivschlägen und aggressiver Taktik. Die Männer und Frauen in Schepkes Dienst zeichneten sich durch schonungslose Effektivität aus und erarbeiteten sich mit den Jahren den Spitznamen „Mauler“. Und während das Eisbärenlogo von Lodestar bis dato für Sicherheit und Schutz stand, wurde es jetzt mit Terror und ungezügelter Aggression in Verbindung gebracht.

Einige Jahre nach der Etablierung der Sicherheitsabteilung und regelmäßig steigenden Profiten wurden auch Panzertruppen in die Strukturen des Unternehmens eingebunden. Dank modernster Ausrüstung und vielen ehemaligen Bundeswehrsoldaten in ihren Reihen haben sich die Mauler einen Namen als knallharte Söldner erkämpft, die bereit waren, jeden Auftrag anzunehmen, solange er gut bezahlt wurde. Schon bald ist Erikas Name den Söldnern besser bekannt gewesen, als der ihres Vaters. Und auch wenn Reiner Schepke angesichts der Geschäftspraktiken seiner Tochter durchaus Bedenken hatte, äußerte er sie bis zu seinem plötzlichen Tod zu keiner Zeit öffentlich. Mit der Übernahme des gesamten Konzerns avancierte Erika Schepke zu einer der mächtigsten Frauen der Welt.

Hund gegen Bär

Mit dem kometenhaften Aufstieg von Lodestar kam es unausweichlich zu Konflikten mit anderen einflussreichen Söldnerfirmen. Die ersten Auseinandersetzungen begannen, kurz nachdem Erika Schepke die Kontrolle über die Firma übernahm. Während eines Routinetransports wurde eine kleine Mauler-Einheit von den Hellhounds mit Unterstützung der White Lancer aus dem Hinterhalt heraus angegriffen. Die Hellhounds erbeuteten die Ladung und auch wenn Erika durchaus verstand, dass es sich dabei um „business as usual“ handelte, war sie doch unangenehm überrascht, dass ihre Söldner gegen einen Kontrahenten verloren hatten.

scr4

In ihrer typischen, berechnenden Art unterbreitete sie den White Lancers ein lukratives Angebot und versuchte sie damit gegen ihre Verbündeten aufzubringen, was jedoch auf Ablehnung stieß und sie zu der Auffassung brachte, dass die einzige Lösung des Problems darin bestehen konnte, beide Kontrahenten in einem vernichtenden Schlag auszulöschen. Beide Militärunternehmen über einen längeren Zeitraum und stückweise zu bekämpfen würde bedeuten, ihnen immer wieder Zeit zur Erholung zu geben und damit den konzentrierten Gegenschlag von Hellhounds und White Lancers zu riskieren - diesen Weg wollte sie nicht einschlagen.

Stattdessen entschied sich Erika Schepke für einen komplizierteren Plan. Sie würde einen scheinbar mit ihrer Firma nicht in Zusammenhang stehenden Vertrag an beide Militärunternehmen vergeben, der sie zur Bewachung eines ehemaligen Militärdepots und Forschungslabors inmitten des Teutoburger Walds abbestellte. Dort würde sie ihre Falle zuschnappen lassen und sowohl die Hellhounds, als auch die White Lancers in einem erbarmungslosen Kampf zermürben.

scr5

Nach monatelanger Vorbereitung war die Falle gesetzt und beide Militärunternehmen versetzten den Großteil ihrer gepanzerten Kräfte - nahezu zwei Bataillone - in den Teutoburger Wald, um sich zum Schutz der angeblichen Forschungsstation aufzustellen. Den Anführern beider Fraktionen wurde mitgeteilt, dass eine Machtdemonstration dieser Größenordnung angesichts der Wichtigkeit des Objekts angemessen war, weil es niemand wagen würde, zwei Söldnertruppen gleichzeitig anzugreifen.

Die Anführer jedenfalls, Hans Krieger und Jacek Kowalski, ahnten nichts und nahmen den Auftrag eines Strohmanns von Erika Schepke an. Die Unterhaltungskosten der Söldnertruppen waren selbst bei den ansehnlichen Verdiensten der Hellhounds und White Lancers immens, weshalb die Aussicht, die Basis eines Kunden inklusive Treibstoff, Elektrizität und Verpflegung zu nutzen, zu verlockend war, um sie sich entgehen zu lassen, insbesondere, da es anscheinend nur darum ging, einige Wissenschaftler zu bewachen und gelegentlich auf Streife zu gehen. Ganze Fahrzeugdivisionen fanden in den unterirdischen Garagen der Anlage Platz, die übrigen Fahrzeuge wurden über den gesamten Standort verteilt. Schließlich würde bei einem Angriff nur der kleinste Teil der Streitkräfte erspäht werden, um mit der ganzen Kraft der unterirdischen Panzerflotte zurückzuschlagen. Das war jedenfalls der Plan...

scr6

Die Operation Arminius begann eine Woche, nachdem die Militärunternehmen in der Anlage stationiert wurden. Im Schutz der Dunkelheit schleuste Lodestar über vorbereitete Zugänge hunderte von Kundschaftern ein, die sich einen Überblick über die Anlage und deren Schwachstellen verschaffen sollten, während der Großteil der Truppen ein Gefecht mit einer Hellhound-Patrouille provozierte. Der Kampf war kurz und brutal, die Hellhound-Patrouille schnell vernichtet und die Wachmannschaft der White Lancers bis auf den letzten Mann vernichtet. Die eingeschleusten Truppen griffen die überwiegend schlafenden Söldnertruppen an, während Spezialeinheiten Jagd auf Offiziere machten. Die Schlacht verwandelte sich in einen brutalen Nahkampf mit schweren Verlusten auf beiden Seiten, wobei der stete Nachschub an frischen Lodestar-Einheiten die Verteidiger der Anlage schließlich überwältigte. Weniger als hundert Hellhounds und White Lancers überlebten den Überfall und flohen in die Wälder. Sie wurden nicht verfolgt - die Mission war erfüllt. Die White Lancers wurden vernichtet und die militärische Macht der Hellhounds schien für immer gebrochen zu sein.

Nachdem ihre ärgsten Feinde besiegt waren, wandte Erika ihre Aufmerksamkeit gen Süden, wo sich in Bayern eine neue Gefahr formierte.

Nach oben

Sei dabei!