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Storyline-Feldzug – Episode 5: Die Geschichte bis jetzt

Episode 5 – "End of the Road"

  • Südengland, Spätherbst, 2040

"Und jetzt," verkündete Clayburn fast schon theatralisch, "kommen wir zu dem wirklich guten Teil. Mein Freund Sebastian hier weiß natürlich, wie es ausging. Verrate es nicht, Basti", fügte er halb spöttisch hinzu. Strom bemerkte einen weiteren komischen Blick von Grimm, was Clayburn entweder nicht kümmerte, oder er es nicht bemerkte.

"Also, meine Herren," fuhr er fort, während er sich geistesabwesend an seiner Narbe kratzte, "wo sind wir stehen geblieben? Ach ja, die Seahawks verließen also Jacksonville in dem alten Schrottzug, den sie sich vorher zusammengeschustert hatten. Es war nicht viel, aber durch den Verkauf ihres Schiffs konnten sie sich mit ausreichend Treibstoff, Ersatzteilen und Manneskraft eindecken, um endlich weiterziehen zu können. Sie luden also alles auf und setzten sich in Richtung Westen in Bewegung."

"Natürlich mussten wir vor ihnen am Ziel sein und haben das auch geschafft. Wollen sie wissen, wie?"

Der Mann war besser gelaunt, als Strom es jemals für möglich gehalten hätte. Er konnte nur mit den Schultern zucken.

"Die Black Eagles."

Strom war sichtlich erstaunt.

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"Die Söldnertruppe dieses arroganten Kubaners? Ich habe von ihm gehört. Wusste nicht, dass er sich auch in den USA verdingt."

"Falsch. Es handelte sich um eine C-17-Schwadron aus Istanbul, die Monate zuvor die Seahawks nach Kairo gebracht hatte. Gleicher Name, andere Einheit. Ich hatte schon vorher mit ihnen zusammengearbeitet und sie waren mehr als bereit, eine Truppe der Crimson Reavers nach Texas zu bringen und zwar in einem Bruchteil der Zeit, die ein Schiff für diese Strecke benötigte. Als die Seahawks – beziehungsweise das, was von ihnen übrig geblieben war – die Basis erreichten, bestand ihr Fuhrpark größtenteils aus schrottreifen Fahrzeugen, die Leute waren müde und ausgehungert. Ihre einzige Hoffnung ruhte auf dem, was vermeintlich in dem Bunker auf sie wartete. Gefangen zwischen den Reavers, die ihnen zuvorgekommen waren, und meinen eigenen Truppen, die ihnen dicht auf den Fersen waren, hatten die Seahawks kaum Optionen."

"Moment... Moment," Strom unterbrach ihn. "Sir", fügte er respektvoll hinzu, als er sah, wie Clayburn seine Augenbrauen hob.

"Das ergibt keinen Sinn. Wenn die C-17-Schwadron sie in die USA bringen konnte, warum verkauften die Seahawks dann ihre Fahrzeuge nicht in Istanbul und setzten sich in irgendeiner gottverlassenen Gegend ab? Sie wussten damals ja noch nichts von dem Bunker, wenn ich mich recht entsinne. Warum haben sie stattdessen alles riskiert und sind nach Afrika gegangen?"

Grimm musste unfreiwillig grinsen, sah Clayburn an und schüttelte den Kopf.

"Wie ich bereits sagte. Keine Vorstellungskraft."

Clayburn, immer noch in bester Laune, dachte kurz nach, bevor er antwortete.

"Gier ist eine überwältigende Sache, meine Herren. Ebenso der Zorn. Bevor man sich umsieht, können einen beide blind machen. Gierige Leute machen Fehler. Zornige Leute sehen nicht, was vor ihnen steht. Leute aber, die zur gleichen Zeit Gier und Zorn verspüren... sind die schlimmsten."

"Wie ihr Neffe, Sir?" Hakte Strom kaum hörbar nach.

"Ganz genau," nickte Clayburn. “So wie Peter. Der Idiot nannte bei jeder Gelegenheit meinen Namen, obwohl er mich nur ein Mal in seinem Leben getroffen hatte – als er drei war. Außerdem kann ich Vetternwirtschaft nicht ausstehen. Davon wird mir nur schlecht."

"Warum haben sie ihn dann an die Spitze der Balkanmission gesetzt?"

Clayburn zuckte mit den Schultern.

"Ich gehe halt gern ein Risiko ein und hatte keine großen Erwartungen inihn gesetzt. Er hätte mich durchaus auch überraschen können. Wenigstens ein bisschen."

"Und? Hat er das?"

"Nein, hat er nicht."

"Und was haben die Seahawks damit zu tun? Was ist wirklich in dem Bunker gewesen? Sie sind doch durchgekommen, oder?"

Grimm und Clayburn wurden plötzlich ernst.

"Ja. Am Ende. Jedenfalls einige von ihnen..."

Strom seufzte und nickte. "Sie hatten also gewonnen. Sie holten sich den großen Preis."

"Vielleicht. Aber es war nicht das, was sie erwartet hatten."

  • Irgendwo in Texas, Anfang Dezember 2039

Die wenigen Fahrzeuge, die ihnen übrig geblieben waren, standen vor der kleinen Anlage aufgereiht, gut getarnt zwischen den unwirtlichen Hügeln von Nordtexas. Außer dem Eingang zu einem massiven Bunker aus Stahlbeton, der sich bedrohlich vor ihnen erhob, war nicht viel zu sehen. Ein paar Nebengebäude. Zisternen, Trucks und Pick-ups. Und im Vordergrund eine Einheit der Crimson Reavers, die in völliger Stille auf ihren nächsten Zug warteten.

Physisch war die Reise lange nicht so aufreibend, wie mental. Der Zug bewegte sich schnell, auch wenn die Seahawks einige Male anhalten mussten, um Hindernisse von den Gleisen zu räumen. Zwar stellte sich ihnen niemand in den Weg, aber sie erfuhren recht schnell von Clayburns Truppen, die in Jacksonville gelandet waren. Sie hatten auch die Flugspuren am Himmel gesehen und hofften inständig, sie würden nichts mit ihnen zu tun haben.

Doch das taten sie, denn die Reavers waren ihnen an ihrem angestrebten Ziel zuvorgekommen. Es war keine große Einheit, aber groß genug, um sie eine Weile in Schach zu halten.

Der letzte Abschnitt der Reise hatte auch ihren Fahrzeugen zugesetzt. Kathryn Grey saß auf ihrem Panzer und aß einen Apfel. Rechts von ihr stand der einzige funktionsfähige Abrams der Seahawks mit dem Spitznamen Hephaistos, an dem gerade das Wartungsteam zugegen war und den letzten Treibstoffkanister in seinen hungrigen Schlund kippte, den sie noch in ihrem Bestand hatten.

Die drei übriggebliebenen Stryker, darunter Seagroves Vanquisher, standen in der Nähe und warteten darauf, den Feind unter Beschuss zu nehmen. Auch der Rest der Seahawks brachte sich in Stellung – eine wilde Ansammlung, die eher an eine Guerillatruppe erinnerte, als an eine ehemalige Konzerneinheit. Ein Bradley hier, einige Trucks dort, aufgerüstete Humvees und selbst einige zivile Autos. Seagrove dachte ungläubig daran, welchen Unterschied einige Monate ausmachen können.

Der einzige, dem die Strapazen dieser Reise nichts auszumachen schienen, war wie üblich Blackwood. Er inspizierte die Truppe, behielt den Gegner im Auge und strahlte Selbstvertrauen aus. Sein ruhiges Auftreten stärkte den Kampfgeist seiner Truppe. Er hatte sie schließlich bis hierher gebracht und er würde sie auch durch dieses Abenteuer führen.

Die Kampfpläne wurden bei Tee und altbackenem Brot geschmiedet.

"Keine Sorge, morgen wird unser Mittagessen üppiger ausfallen," erinnerte er sie, während sie in Stille an ihren Rationen kauten, vor den Blicken des Gegners durch einen unweit gelegenen Felsen geschützt. Er fuhr fort, ohne ihre Reaktion abzuwarten.

"Wir werden folgendes tun. Joshua, Kate, ich möchte, dass ihr den Angriff anführt. Keine besonderen Manöver – der Bunker liegt am Ende dieser Schlucht, für ausgefallene Taktik ist eh zu wenig Platz. In der Nacht werden wir unsere Raketen in Stellung bringen. Sobald ihr angreift, werden sie die Reavers von allen Seiten attackieren. Wir müssen schnell und hart zuschlagen bevor Clayburns Truppe hierher gelangt. Wir knacken den Bunker, laden alles auf, was wir können und verschwinden. Sie werden uns nicht kriegen."

Seagrove hatte ein mulmiges Gefühl. Der Plan war einfach und machte Sinn, sie hatten bereits im Vorfeld darüber gesprochen und doch wurde er das Gefühl nicht los, dass etwas entscheidendes fehlte. Es hörte sich zu geradlinig an in einer Welt, in der nichts, aber auch gar nichts geradlinig verlief. Andererseits, dachte er, war es ihnen vielleicht endlich gegönnt, den Jackpot zu knacken.

Ihr Mittagessen wurde von einem Aufklärungsoffizier unterbrochen, der den Auszug der Clayburn-Truppen aus Jacksonville meldete. Sie würden in nicht allzu langer Zeit dort sein. Es war höchste Zeit, etwas zu unternehmen.

Episode 5 ist in vollem Gange - seid dabei!

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